Begleitprogramm zu RITUALE III

Memory Trilogy von Maya Zack (IL)

Aufgrund der Covid-19 Restriktionen findet das in unserem Kino geplante Begleitprogramm Memory Trilogy von Maya Zack im Rahmen der Ausstellung Rituale III – Macht stattdessen in unserer Online-Cinemathek statt.


Maya Zacks Memory Trilogy (Counterlight 2016, Black and White Rule 2011, Mother Economy 2007) befasst sich mit der Erinnerung an den Holocaust, mit der kollektiven Geschichte und dem persönlichen Erinnern. In den drei Filmen setzt sich die weibliche Protagonistin mit den Spuren der Vergangenheit auseinander. Durch die obsessive Bearbeitung von Objekten, Dokumenten und Fotos -  ein kreativer Prozess, der Fakten mit Imagination und Interpretation vermischt - schafft sie irreale, rekonstruierte Realitäten und versucht so, eine "Wissenschaft der Erinnerung" zu erfinden.


Counterlight, 2016-17, 23:30 min.  Hier gehts zum Video

Eine Reise in die Tiefen des Bewusstseins, die den Spuren des Dichters Paul Celan folgt. Eine Archivforscherin hört sich Auszüge aus Originalaufnahmen des Dichters an und verwandelt sich von einer Archivarin in eine Alchemistin. Auf fast chirurgische Weise analysiert sie die Archivmaterialien - Fotografien, Karten, Dokumente und Gedichte -, die es ihr ermöglichen, die Vergangenheit zu rekonstruieren und in sie einzugreifen, bis die Grenzen zwischen Realität und Dokumentation, Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen. In ihrer Imagination dringt sie in den Raum einer alten Straßenfotografie von Czernowitz ein und begegnet Celans Mutter, die in ihrer Küche Challa-Brot backt bis sich ihr Tun in weibliche Magie verwandelt und zur Entstehung des "Erinnerungsgolem" führt. In den letzten Jahren erforschte Zack Paul Celans Welt und Schaffensprozess anhand der weiblichen Figuren in seinem Leben; darunter auch seine Mutter, die in einem Konzentrationslager ermordet wurde. Für diese Frauen hat sie Bilder von Tod und Geburt ineinander verwoben und den Film dem Gedenken an ihre Mutter gewidmet.

 

Mother Economy, 2007, 19:45 min. Hier gehts zum Video

Eine Meditation über das Erinnern und eine Hommage an die einfallsreichen Frauen in den Zeiten der Gewalt, die die politische Revolution begleitete. Die bebrillte Heldin in einer Bluse mit Spitzenkragen und ordentlich gekämmtem Haar, sorgt für Ordnung und Ruhe, indem sie die Hausarbeit mit fachlicher Effizienz und Präzision erledigt. Die Hausfrau bestimmt und lokalisiert Gegenstände, die verschwundenen Familienmitgliedern gehören, während Radiosendungen über die Zerstörung und das Chaos außerhalb ihrer kontrollierten Welt berichten. Mit einem Bleistift skizziert sie einen Tennisschläger, Aschenbecher, Taschengeld und andere persönliche Gegenstände auf dem rosa Papier, das die Wände und den Boden bedeckt. In ihrer Rolle als Haushälterin fährt sie fort die vor ihr liegenden Gegenstände zu katalogisieren. Mit Hilfe eines Abakus und Formeln aus ihrem Notizbuch erstellt sie das Rezept zum Backen einer "kugel" (traditioneller Nudelauflauf), die sie feierlich schneidet und die einem ökonomischen Kuchendiagramm ähnelt.

 

Black and White Rule, 2011, 17:45 min. Hier gehts zum Video

Eine Hommage an die Kunst des Zeichnens durch den Versuch des Menschen, der Realität durch Kontrolle und Überwachung Form und Ordnung aufzuzwingen. Auf einem gigantischen Schachbrett befolgen Pudel die Befehlen der Ausbilder, während ihre Bewegungen von einer Wissenschaftlerin in einem angrenzenden Raum kontrolliert und aufgezeichnet werden. In einem Setting, in dem alles nach Plan zu verlaufen scheint, kommt es zu Störungen, als plötzlich gegen die Anordnung verstoßen wird.


MAYA ZACK
* 1976 (IL), ist bildende Künstlerin und Filmemacherin. Ihr Werk verbindet Themen wie Erinnerung, Geschichte, Dokumentation, Rekonstruktion und Metaphysik. Studium an der Bezalel Academy of Art and Design, Jerusalem, an der Tel Aviv University und an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Zack ist zurzeit Dozentin an der Bezalel Academy of Art and Design, Jerusalem. Einzelausstellungen (Auswahl): Counterlight, Tel Aviv Museum of Art / Broken Horizons, Petach Tikva Museum of Art (IL) / Counterlight, MLF Gallery, Rom / Memory Trilogy, MLF Gallery, Brüssel / The Shabbat Room, permanente Installation im Jüdischen Museum, Wien / Manifesta 10 Parallel Program, Taiga Space, St. Petersburg / CUC Gallery, Berlin / Galerie Natalie Seroussi, Paris / Alon Segev Gallery, Tel Aviv / Living Room, The Jewish Museum, New York. Zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen.

www.maya-zack.com