Ausstellungen




ANIMAL I

von 08.03.2001 bis 31.03.2001

Ingeborg Strobl, Alexandra Schlag

Ingeborg Strobl

- Das geht auf keine Kuhhaut
Gedanken zur Installation, 2000


leere Wände – statt dessen das Zitat einer wohnlichen Atmosphäre mit Polstermöbel und Couchtisch. Zusätzlich sind auf den Sitzmöbeln üppig Pölster drapiert, mit Stoffen diverser Tiermotive bunt und fröhlich überzogen. Das Zentrum der Installation besteht aus einem Stapel einer 16-Seiten Broschüre auf dem Tischchen - zur freien und kostenlosen Entnahme.

Das Cover lockt mit einer barbusigen Dame in Pelz, der Griff nach dem Heft ist angenehm und fällt leicht. Der Inhalt der Broschüre allerdings - ein anderes Kapitel. Es wird der übliche und üble Umgang des Menschen mit dem Tier in extremen Ausformungen thematisiert, einerseits Verniedlichung, Verharmlosung und Verdinglichung, andererseits das Nutztier, ein Wirtschaftsfaktor und Gegenstand von Profitmaximierung. Das eigentliche Wesen des Tieres bleibt unbeachtet. Respekt vor dem Anderen, Wahrung seiner Eigenständigkeit und Rücksichtnahme zeigen sich im Umgang des Menschen mit dem Tier nur selten - die zärtliche und die mißachtende Grausamkeit sind das Alltägliche.



Alexandra Schlag

- Fotomumien – Hüllen – Fliegen, Motten


Die Motive der Fotoarbeiten sind tote Tiere. Thematisiert werden drei grundsätzlich verschiedene Aspekte von „tot“. Einerseits Tiere im Prozeß der Verwesung, die nicht durch den Menschen zu Tode kamen, Momentaufnahmen von organischer Veränderung. Andererseits Tiere, die bewußt getötet – in diesem Fall gejagt wurden, um als Objekte gesammelt und ausgestellt weiter zu existieren. Weiters zeigt die dritte Gruppe Fotos von toten Insekten, deren Anblick nur in seltensten Fällen mit Tiermord assoziiert wird. Fotomumien Durch die Fotografie besteht die Möglichkeit, das Fortschreiten der Verwesung anzuhalten, den Kadaver einzufrieren, zu konservieren und dadurch dem toten Tier Achtung zu erweisen. Hüllen Die Bilder zeigen künstlich haltbar gemachte Häute im Tiefspeicher des Naturhistorischen Museums in Wien – fertig präpariert zur eventuellen Weiterverarbeitung zu Stopfpräparaten. Die Bildausschnitte vermitteln das dichte Nebeneinander unterschiedlichster Tiergattungen – systematisiert und auf ihre Materialität reduziert. Fliegen, Motten Insektenfallen, Klebestreifen als Tötungsmaschinerie – die Notwendigkeit oder die Lust am Töten. Eine Dokumentation der Opfer, der erstarrten, ausgetrockneten Körper, die langsam zu Staub zerfallen. Ein Schlachtfeld im Krieg zwischen Mensch und Tier. Die Tiere erhalten durch diesen Blick, diese Form der Dokumentation die Aura des Lebenden zurück – eine wesentliche Motivation und Faszination für die Fotografin.

(Alexandra Schlag)