Ausstellungen




Tatort: UMWELT

von 09.10.2012 bis 03.11.2012

Ernst Logar, Ina Loitzl, Michael Goldgruber, Lois Hechenblaikner, Robert Knoth & Antoinette de Jong

Eröffnung: Montag, 8. Oktober 2012 um 19.00 Uhr
Einleitende Worte: Statements der KünstlerInnen und Greenpeace

Tatort: UMWELT-Filmbegleitprogramm:  EUROPÄISCHE VORPREMIERE!


Donnerstag, 18. Oktober, 19.00
Uhr (mit einer Einführung von Greenpeace).
Chasing Ice, Regie: Jeff Orlowski, USA 2012, 76 min.  Der „National Geographic“-Fotograf James Balog und sein Team installierten an 18 Gletschern gleichzeitig 43 Zeitraffer-Kamera-Systeme, um so das rasante Verschwinden der Eisberge zu dokumentieren. Chasing Ice liefert den Beweis, dass uns die Folgen des Klimawandels unaufhaltsam in eine Umweltkatastrophe führen.

Wir ersuchen auf Grund der begrenzten Platzanzahl um E-mail-Voranmeldungen: fotogalerie-wien@wuk.at
Kooperationspartner: Greenpeace; Wiener Linien; Submarine Deluxe, N.Y.

sponsored by: BMUKK; MA7-Kultur; Cyberlab, Wiener Linien; Filmladen Wien; Submarine Deluxe, N.Y.
Kooperationspartner: Greenpeace
 
Die Bedrohung unseres Lebensraumes durch massive zerstörerische und ausbeuterische Eingriffe des Menschen in die Natur hat ein Ausmaß angenommen, das viele KünstlerInnen heute zu deutlichen und kritischen Statements veranlasst. Tatort: UMWELT heißt die Oktober-Ausstellung der FOTOGALERIE WIEN mit fotografischen und filmischen Positionen, in denen sich gesellschaftspolitisches Engagement und Kunst miteinander verbinden. Sechs KünstlerInnen visualisieren, ohne vordergründig pädagogisch, rein dokumentarisch oder moralisch zu sein, die gravierenden Auswirkungen globaler Umweltzerstörung. Die Arbeiten zielen – über rein ökologische Botschaften hinaus – auf philosophische Fragestellungen, auf unser grundlegendes Verständnis von Existenz. Parallel zu den künstlerischen Arbeiten werden im Ausstellungsraum Videos der Umweltorganisation "Greenpeace" gezeigt, die neben Dokumentationen von Aktionen und relevanten Umweltthemen auch künstlerische Beiträge beinhalten. Im Kino wird es ein Begleitprogramm mit aktuellen Filmen zum Thema geben. Mit der Ausstellung Tatort: UMWELT möchte die FOTOGALERIE WIEN als öffentliche, diskursive Institution dezidiert Haltung beziehen und zu einer aktiven Auseinandersetzung anregen.

Michael Goldgruber zeigt das Video Monoculture (2012), zu dem es auch eine gleichnamige Fotoserie gibt. Hier beschäftigt er sich mit den negativen Auswirkungen einseitig betriebener Land- bzw. Forstwirtschaft, speziell mit Fichten-Monokulturen, die große Landstriche in Zentraleuropa vereinnahmen. Die aus Gründen der Gewinnoptimierung und besseren Kontrollmöglichkeit durchgeführte Reduktion auf eine Baumart sowie die meist zu enge Pflanzung lassen die Bäume absterben und die Landschaft veröden. Goldgrubers Bilder zeigen diese dunklen, eintönig-gespenstischen Situationen, begleitet von dem immer lauter werdenden bedrohlichen Rauschen des Windes und dem Knacken von Ästen. Die Bilder signalisieren die Betroffenheit des Künstlers über den ökonomisierten Wald wie auch über medial und kulturell transportierte Klischees in der Wahrnehmung von Natur, andererseits haben sie, ohne einer romantischen Verklärung zu unterliegen, hohen ästhetischen Reiz.

In zahlreichen Fotoserien – so auch in der hier gezeigten Serie BergWerk – hat der gebürtige Tiroler Lois Hechenblaikner sich mit den zerstörerischen Auswirkungen des alpinen Massentourismus beschäftigt. Für den Bau von Ski-Pisten, Seilbahnen, Anfahrtsstraßen und diversen Architekturen für den Freizeitsport werden massive Eingriffe wie Geländeaufschüttungen oder -abtragungen, Felssprengungen usw. vorgenommen, die aus der ehemals idyllischen Bergbauernlandschaft trostlose "Industriezonen" (Bernhard Kathan) gemacht haben.In der Serie BergWerk hat Hechenblaikner vor der Kulisse der mächtigen Berge Bagger bei der Planierungsarbeit, die Landschaft aufwühlende Kabel und Röhren, vorbereitete Teile zum Bau von Entertainmentarchitektur u.a. fotografiert. In seinen perfekt komponierten, meist menschenleeren Fotografien liegt nicht nur der Protest, die persönliche Betroffenheit, sondern auch eine Portion Resignation, wenn sich die Baumaschinen wie gefräßige Tiere in die Landschaft eingraben.  
 
Robert Knoth & Antoinette de Jong untersuchen in ihren Arbeiten die komplexen Auswirkungen sozialer, ökonomischer und politischer Katastrophen auf das Leben der Menschen, so auch in der Fotoserie Shadowlands, the Fukushima nuclear accident. Das Künstlerduo besuchte im Herbst 2011 die Orte Iitate und Namie, 40 km von Fukushima/Japan entfernt, um sich ein Bild von den Auswirkungen des verheerenden Reaktorunfalls zu machen. Die Arbeit zeigt stille, poetische Natur- und Kulturlandschaften, denen man die Kontaminierung nicht ansieht – die unheimliche Schönheit einer von der Natur zurückeroberten, verlassenen Region, auf der ein lebensbedrohender, unsichtbarer Schatten lastet. Die Angaben des Grades der Verseuchung in Microsievert zu jedem Foto brechen den ungetrübten Blick. Auch die zweite Arbeit, das Schwarz-Weiß-Video Certificat no. 000358/ (2008) beschreibt die drastischen Auswirkungen von atomarer Verseuchung. Es geht im Besonderen um die zahlreichen Nukleartests und -unfälle an entlegenen Orten in der früheren Sowjetunion, von denen Tschernobyl nur ein Beispiel ist. Unterlegt mit traurig-melancholischer, auch bedrohlicher Musik werden Porträts von Menschen mit Angaben ihrer Erkrankungen infolge zu hoher Strahlenbelastung, verlassene Orte, Interieurs...gezeigt.

Ernst Logar zeigt Fotoarbeiten aus der Serie Oil Rigs aus seinem mehrteiligen Forschungsprojekt Invisible Oil (2008) und das dazu erschienene, prämierte Buch (2011). Das Projekt konfrontiert uns mit der allumfassenden Abhängigkeit unserer Zivilisationsgesellschaft vom Rohstoff Erdöl und möchte dem Blick der Öffentlichkeit entzogene Prozesse und Orte der Machtzentren der Ölindustrie aus der Unsichtbarkeit hervorholen. Das Projekt basiert auf ausführlichen Recherchen in der schottischen Erdölmetropole Aberdeen. Für die Fotoserie hat Logar an Stränden bei Aberdeen angeschwemmte – aus dem Material Rohöl produzierte – Plastikobjekte gesammelt. Aus diesem Müll unserer Wegwerfgesellschaft hat er vor Ort temporäre Arte Povera-Skulpturen in Form von Öl-Förderanlagen gebaut und diese nach den fünf sozial benachteiligsten Regionen der Stadt benannt – eine Arbeit, die durch die Skurrilität der Skulpturen die Problematik ironisch aufbricht.
 
In dem in Legetricktechnik entstandenen, dreiteilig konzipierten Video PARADOXON setzt sich Ina Loitzl  – auf der Grundlage von umfassenden Recherchen bei Umweltorganisationen, Supermarktketten, sozialen Institutionen, Energiebetrieben sowie unter Zuhilfenahme von Found Footage-Material aus Zeitschriften, Internet und Werbematerial – mit dem gravierenden Fehlverhalten unserer Gesellschaft in Produktions-, Konsum- und Entsorgungsprozessen in der Energie-, Lebensmittel- und Produktindustrie auseinander. Die Bilderabfolgen laufen, zum Teil rasend schnell, im Loop wie ein Perpetuum Mobile ab, den Kreislauf der häufig paradoxen Auswirkungen unseres Handelns symbolisierend. Loitzl arbeitet mit Slapstickelementen und schrillen bunten Bildern – ein lautstarkes, aufrüttelndes Plädoyer für eine sozial gerechtere, ökonomischere, weniger von Konsumgier geprägte und umweltfreundlichere Welt.

Petra Noll, im Namen des Kollektivs