Ausstellungen




WORLDS COLLIDE

Aktuelle Positionen der schwedischen Foto- und Videoszene

von 08.10.2013 bis 02.11.2013

Anna-Karin Andersson, Elias Björn , Karin Granstrand, Ingrid Sandsborg

Kunstaustausch
FOTOGALERIE WIEN  – CIRKULATIONSCENTRALEN MALMÖ, Teil2
 
Eröffnung: Montag, 7. Oktober um 19.00 Uhr
Einführende Worte: Petra Noll
Im Anschluss: Ausstellungsrundgang mit den KünstlerInnen

sponsored by: BMUKK, MA7-Kultur, Cyberlab, Schwedische Botschaft Wien, Mediaverkstaden, IASPIS (The Swedish Arts Grants Committee's International Programme for Visual Artists)
 
Die Ausstellung Worlds Collide, aufeinander prallende Welten, versteht sich als zweiter Teil eines Kunstaustausches mit den CirculationsCentralen Malmö, einer 2003 gegründeten, nicht-kommerziellen Organisation für die Produktion und Präsentation zeitgenössischer Kunst und Kultur in Malmö. Eingeleitet wurde der Kunstaustausch mit der Ausstellung Mushrooming, die die FOTOGALERIE WIEN im März diesen Jahres während der schwedischen Fotobiennale „Fotografi i Fokus“ gezeigt hat. Hier wurden die österreichischen KünstlerInnen Elisabeth Czihak, Catharina Freuis, Markus Guschelbauer und Michael Strasser präsentiert. Die vier in Wien ausstellenden schwedischen KünstlerInnen verbindet die Auseinandersetzung mit persönlicher Geschichte, Realität/Imagination und Erinnerung. Sie betrachten die sie umgebende Welt aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel. Dabei kreieren sie romantische, sensible, suggestive oder verrückt-verdrehte Stimmungen und Situationen. Innerhalb dieses Rahmens erzählt jedoch jede(r) Künstler/in ihre/seine eigene Geschichte, schafft ganz subjektive Welten, die in dieser Ausstellung im inspirierenden Sinn miteinander kollidieren.

Anna-Karin Andersson arbeitet mit Video und Zeichnung. Ihre Auseinandersetzung kreist um Tabu-Szenarien und Gefühle wie Scham und Verlegenheit, wobei sie sich häufig selbst nicht schont und den Betrachter in unerwartete, nicht selten ungemütliche Situationen bringt. Der Film The Fart, 2013, rekonstruiert und analysiert einen von ihr als peinlich empfundenen Faux pas, der ihr unmittelbar nach einem schönen Dinner bei einer neuen, ihr sehr sympathischen Freundin passiert ist. Andersson untersucht hier allgemein das Empfinden von Peinlichkeit, das sehr stark von der jeweiligen Persönlichkeit sowie dem gesellschaftlichen Kontext abhängig ist. Sie geht aber auch der Frage nach, inwieweit subjektive Erinnerungen aus den eigenen Imaginationen und Gefühlen erzählt werden können.
 
Elias Björn untersucht in der Serie Remnants (Überbleibsel), bestehend aus Inkjet-Prints, anhand eines Hauses die Bedeutung von persönlicher Geschichte und Erinnerung. Bei einer Hausbesichtigung waren seinem Vater die Räume sehr bekannt vorgekommen, obwohl er nie hier gewesen war. Nachdem er das Haus gekauft hatte, stellte sich heraus, dass hier zuletzt sein ehemaliger Klassenkamerad gelebt hatte, mit dem er während der Schulzeit intensiven, aber danach kaum noch Kontakt hatte. Während Fotografien, die zum Kauf eines Hauses inspirieren sollen, nichts von ihrem vorherigen Besitzer zeigen, möchte Björn gerade die „memory bank“ des Hauses „unter die Lupe nehmen“ und eventuell sogar festhalten.

Auch Karin Granstrands Fotografien sind eine Beschäftigung mit Erinnerung, zugleich aber auch eine Auseinandersetzung mit dem Akt des Fotografierens und der Auswahl von Bildern. Ihre Arbeiten basieren auf alltäglichen Fotografien verschiedener Objekte, die sie über längere Zeit hinweg aufgenommen hat und die danach zunächst bei ihr in Vergessenheit gerieten. Indem sie sie in einen neuen Kontext gestellt hat – wobei die eigene sowie die allgemeine Geschichte Berücksichtigung finden – sind neue Erinnerungen an das entstanden, was einst stattgefunden hat. Granstrands visuelle Umsetzungen sind häufig skurril, surreal, ja „obskur“.
 
Eine wichtige Auseinandersetzung in der künstlerischen Arbeit von Ingrid Sandsborg ist der Versuch, visuelle Erinnerungen wiederzuerlangen und zu verbildlichen. Ihr Medium ist die digitale Collage, in der sie fotografische Fragmente und andere Materialien – wie Fotos von selbstgebauten Modellen – zusammenfügt und daraus ihre eigenen kleinen Welten kreiert. Die Bilder bestehen aus Schichten von Informationen, die in sich entwickelnden Geschichten verdichtet sind. In der Fotoserie Smalltown (2013) setzt sie sich mit Erinnerungen an und Erzählungen über ihre Jugendzeit auseinander, während sie sich in American Girl (2012) auf eine Novelle gleichen Titels bezieht; diese spielt in einem Dorf in Südfinnland zwischen Sümpfen und Wäldern. Hintergrund ist ein dramatisches Ereignis aus der Vergangenheit, das die Phantasie beflügelt – eine Auseinandersetzung mit einer Welt zwischen Fiktion und Realität.
 
Petra Noll im Namen des Kollektivs