Ausstellungen




LIEBE II

Ist

von 02.09.2008 bis 01.10.2008

Paul Albert Leitner, Willy Puchner, H. H. Capor, Arnis Balcus, Fiona Rukschcio, Angelika Krinzinger, Marleen Noordergraaf, Martin Sulzbacher, Claudia Schumann, Georg Petermichl, Brigitte Niedermair

Eröffnung: Montag, 1. September 2008 um 19:00 Uhr
Einleitende Worte: Ruth Horak

Der diesjährige Schwerpunkt der FOTOGALERIE WIEN umkreist einen der existenziellsten Aspekte unseres Lebens: die LIEBE.
In drei Ausstellungen – LIEBE I - Suche, LIEBE II - Ist, und LIEBE III - Scheitern – spannt sich der Bogen um ein diffiziles, fragiles und emotionales Thema.

LIEBE - Ist – was und wie ist diese Liebe, auf die man sich einlässt und die man leben möchte?
11 KünstlerInnen untersuchen, durchleuchten, umkreisen diesen Ist-Zustand und vereinen in der Ausstellung die unterschiedlichsten Facetten dieses schönen und zugleich schwierigen Themas: Die Ode an das pralle Glück, die Suche nach der Zartheit respektvoller Liebe in Berührungen, die Vertrautheit in lustvoll gelebten Sexualitäten, die Angst vor dem Versagen, die inneren Zerreißproben,...
Die Liebe ist einzigartig und immer anders. Sie passt sich keinen Normen an. So ist jede Position ein individuelles Liebesgedicht über den Mut der Hingabe.

Der musikalische Appetizer zu dieser Ausstellung auf youtube.com

Arnis Balcus
Myself, Friends, Lovers and Others
Balcus durchbricht die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre; er richtet die Kamera auf sich und seine Generation (im Stil von N.Goldin oder W.Tillmans). Seine schnappschussartigen Fotografien sind Studien über Sexualität, Zärtlichkeit und Vertrautheit, in denen das unbekümmerte, sehnsüchtige und zugleich auch verworrene Lebensgefühl sehr junger Menschen eingefangen und visualisiert wird.

Hermann Capor Man sieht was man sieht
Hermann Capors Arbeit ist zugleich Serie und Einzelfoto. Der zeitliche Ablauf eines „la petite mort“ zeigt die Veränderungen in den Gesichtszügen einer Frau. Die Sekunden der Ekstase werden vorsichtig gesammelt und konserviert - eine Hommage an die Sexualität und das Spiel zwischen Mann und Frau, wobei die Kamera die Position des Liebhabers einnimmt. Weder Voyeurismus noch Normen der Pornografie werden hierbei befriedigt. Die Arbeit verdeutlicht Vertrautheit und respektvolle Vorsicht im Umgang mit der zerbrechlichen Vergänglichkeit von Liebe.

Angelika Krinzinger Ohne Titel
Krinzingers Detailaufnahmen führen das Auge fast bedrohlich nahe an die empfindsamsten und intimsten Körperstellen heran. Anonymisiert und gleichzeitig direkt, wird die Haut zur Grenze von Persönlichkeit und Außenwelt und zugleich ein Ort der Kommunikation zwischen Menschen. Berührungen als Momente der Sinnlichkeit und Verletzlichkeit zugleich. Die abstrakte Qualität der Grossaufnahmen entführt den Betrachter in eine emotionale „Landkarte“ möglicher Empfindungen und Prägungen.

Paul Albert Leitner The Miracle of Love
Leitner – der Reisende, der Flaneur, der Beobachter, der Sammler von Eindrücken. Mit seiner Kamera hält er die Poesie des Moments und des Ereignisses fest. Sein über die Jahre angewachsenes, umfangreiches Bildarchiv beherbergt auch eines seiner Hauptthemen: die Liebe. Bildfundstücke des öffentlichen Raumes wie Plakate, Schaufenster, Menschen, sowie Zeitungen und Filme werden für die Ausstellung zusammengetragen und in einer aus Kopien bestehenden Plakatwand verdichtet.

Brigitte Niedermair Lets go fishing und do we need all this
Niedermaiers ironisierende Bildwelten thematisieren die sexuelle Selbstbestimmung der Frau. Sie inszeniert Gegenstände und Objekte die mit Sexualität in Verbindung gebracht werden zu sinnlichen Stillleben und untersucht in ihrer Arbeit die Positionierung der Frau mit einer aktiven Sexualität, dabei entwirft sie feministische Rollenbilder wie die Frau als Jägerin.

Marleen Noordergraaf Das Potential der Liebe
Noordergraafs fotografische Reise fokussiert das Absolute - im Sinne von R. Barthes das „Punktum“ der Liebe.
Wie in einer mythischen Erzählung versucht sie den flirrenden Moment einzufangen bei dem sich die Gestalt der Liebe zeigt. Immer im Zwiespalt mit vorgegebenen und prägenden Vorstellungen und Idealen materialisiert sich die Liebe oftmals anders als geplant. Noordergraaf führt lange Gespräche mit dem Menschen, die sie vorab auf der Strasse anspricht und in weiterer Folge, ab dem Moment wo auf sie “vergessen“ wird, fotografiert. Analytisch, einfühlsam und ungestellt präsentieren sich die Fotoarbeiten, bei denen die Kamera als beobachtendes Objekt in den Hintergrund tritt.

Georg Petermichl / Martin Sulzbacher Deep and Mighty
Ein kurzer Abenteuerfilm, der vom Mythos des Menschen, der angstfrei und der Zivilisation überdrüssig den Kontakt mit der Natur sucht und sich ihr „aussetzt“ handelt. Das Video zeigt ein Paar, dass unbekleidet in die Dunkelheit der Nacht eintaucht und als Metapher des sich „gegenseitigen Aussetzens“ gelesen werden kann. Das ineinander Vertrauen der Protagonisten ist spürbar. Als musikalische Einbettung der Handlung dient ein Song von Simon & Garfunkel „ I am a Rock“: I am a rock; I am an island; and a rock feels no pain; and an island never cries…

Willy Puchner Liebe im Alter
Puchner zeigt ein ungewohntes Bild: alte Menschen, die einen Neubeginn miteinander wagen, sich nochmals der Liebe hingeben und sich erst nach ihrem 70sten Lebensjahr kennen gelernt haben. Er portraitiert diese und versucht dabei auf Posen zu verzichten. Seine Aufnahmen zeigen auf behutsame und einfühlsame Art Momente des Privaten - des einander zugewandt seins. Umarmungen, Berührungen - die Schönheit und der Mut echter Gefühle in der Randzone des Alters. Ein Tabuthema innerhalb unserer Gesellschaft.

Fiona Rukschcio MausiSchatzi
Sprechende Bilder: Mausi, Schatzi, Darling, Cherié,.... – die helfen das Fehlen des Partners vor Ort zu lindern.
Der Facettereichtum von Kosenamen ist schier grenzenlos - changierend zwischen Peinlichkeit, Herzigkeit, Vertrautheit und Privatheit. Rukschcios Modelle fungieren 2fach als Portrait: einerseits gibt ihr Auftreten, ihr Verhalten, ihre Kleidung und ihre Sprechweise Aufschluss über die Persönlichkeit der Benennenden sowie der Benannten und deren gesellschaftliche Verortung, andererseits lässt der Kosename und die Mimik beim Aussprechen desselben Rückschlüsse auf die Paarbeziehung zu.

Claudia Schumann revolution liebe
Schumanns fotografische Doppelbelichtungen sind kaleidoskopische Introspektionen. Unterschiedliche emotionale wie zeitliche Momente werden überlagert, die von einer Liebe erzählen die zwischen Euphorie und Schmerz, Nähe und Distanz, bergen und verbergen schwankt. Aspekte von Leidenschaft, Affekt und im speziellen Körperlichkeit, werden durch die Verdopplung in der Arbeit selbst unterstrichen: Einerseits durch Hervorhebung in den Abbildungen und andererseits in der gewählten Präsentationsform als „Bildkörper“ – als Objekt.