Ausstellungen




AUSTAUSCHAUSSTELLUNG: FOTOGALERIE WIEN - MALA GALERIA (WARSCHAU)

Teil II

von 23.10.1996 bis 06.12.1996

Evelyne Egerer, Thomas Freiler, Robert F. Hammerstiel, Wolfgang Raffesberg

Einer der Fixpunkte jedes Jahresprogrammes der FOTOGALERIE WIEN ist eine Austauschausstellung mit einer ausländischen Fotoinstitution oder Galerie mit ähnlicher Programmatik durchzuführen.
Die Arbeit an einer solchen Austauschausstellung ermöglicht einen intensiveren Informationsaustausch und Dialog zwischen den Galerien und außerdem die Präsentation neuester Arbeiten der KünstlerInnen der Galerien des jeweiligen Landes im Ausland.
Wir freuen uns daher über die Zusammenarbeit mit der MALA GALERIA und ihrem Leiter Marek Grygiel.
Beide Galerien verfolgen eine ähnliche Programmatik, nämlich die Präsentation aktueller-zeitgenössischer-, internationaler Fotokunst und auch grenzüberschreitender Fotokunst – dabei ist wichtig, neben etablierten Künstlern auch eine eher jüngere und unbekanntere Fotoszene zu zeigen.
Die Auswahl der 4 KünstlerInnen die von der FOTOGALERIE WIEN getroffen wurde, zeigen 4 unterschiedlich formale-, theoretische- und inhaltliche Überlegungen zur künstlerischen Fotografie in Österreich und spiegeln somit das vielseitige und offene Programm der Galerie wieder.

Evelyne Egerers Arbeit „Frühlingsdoppel“ agiert mit Raum, Objekt und Fotografie. Sie dokumentiert in ihren Arbeiten physikalische Zustände und stellt gleichzeitig Experimente der Wahrnehmung mit unterschiedlichen Dingen an. Da für sie „Dinge“ eine Seele haben, versucht sie in ihren Arbeiten „Dingen“ Stellenwerte zu geben, „Dingen“ Plätze zuzuordnen, „Dinge“ in Spannung zu versetzen.
Thomas Freilers Arbeit „Klein Paris“ zeigt Fotografien von Miniaturplastiken berühmter Pariser Baudenkmäler aus dem Souvenirshop. Wie Fotos von einer Reise sind diese Abgüsse Verweis auf ein „Dortgewesensein“ und Ausgangspunkt von Erinnerungen. Zum Gegenstand eines Fotos gemacht werden sie selbst, die ein reales Bauwerk imaginieren, zur Imagination. Robert F. Hammerstiel setzt sich in seiner Arbeit „Interieur“ mit der Präsentation von Alltagsgegenständen beziehungsweise mit deren auf sie verweisenden Verpackung auseinander. Diese als „prospektive Archeologie“ zu bezeichnende Werkgruppe zeigt uns bloß noch die rudimentären Versatzstücke einer auf Äußerlichkeit und Massenproduktion ausgerichteten Zivilisation.
Auch liegt die Relevanz seiner Arbeiten im visuellen Wechselspiel zwischen der An- und Abwesenheit der Dinge, zwischen Realem und Assoziativem und zwischen dem Bild allgemein und dessen Verhältnis zur Realität.
Wolfgang Raffesbergs Arbeit „On Information V - A Collection of Men Walking, Striding und Running“ ist ein Teil der Werkgruppe „On Information“ – einer Reihe von künstlerischen Untersuchungen zu medientheoretischen und philosophischen Fragen des Begriffs „Information“. Die Arbeiten sind Überlagerungen zweier Bildfragmente: das einer unbedruckten Stelle einer Zeitungsseite und von Fernsehbildern aus dem redaktionellen Teil internationaler Nachrichtensender von gehenden, schreitenden und laufenden Menschen. Die Entstehung dieser Bildfragmente basiert ausschließlich auf fotografischen Verfahren in denen es aber nicht um die Abbildung, Konservierung und Repräsentation von Wirklichkeit geht, sondern zum handwerklichen Zitat der Erzeugung medialer Wirklichkeiten wird.

Susanne Gamauf