Ausstellungen




NATUR – VEGETATION I : LANDSCHAFT

von 04.03.1998 bis 28.03.1998

Günther Selichar, Robert Kocan, Gilbert Fastenaekens, Thomas Kellner, Jacqueline Salmon, Fritz Simak, Jacques Vilet

NATUR – VEGETATION I
Landschaft

Der Themenschwerpunkt Natur – Vegetation wurde nach Sichtung des eingelangten Materials in vier Unterbereiche gegliedert. Da alle Künstler aufgrund einer langjährigen Beschäftigung mit dem Generalthema angeschrieben wurden, oder von ausländischen Kuratoren vorgeschlagen wurden, sind spezielle Sehweisen und fotografische Praktiken, die in einer inhaltlichen Nähe liegen, vom Team der Fotogalerie Wien zu Gruppen ge-faßt worden.
Landschaft stellt sich als Wiedererwachtes, als Stück Land, das durch Kriegsereignisse verwüstet war bei Gilbert Fastenaekens aus Belgien.
Landschaft wird bei Jacqueline Salmon aus Frankreich durch eine „Vergangenheit“ identifiziert und mit einem Hinweis auf diese Vergangenheit versehen. Die Namen stehen für Persön-lichkeiten, die für diesen Landstrich eine Bedeutung hatten, und denen diese Landschaft bedeutend war.
Thomas Kellner pflegt seit Jahren eine kaum mehr gebräuchli-che Vorgangsweise, er arbeitet mit einer Lochkamera und reiht Ausschnitt an Ausschnitt, es entstehen Panoramabilder oder Bildmuster. Für die trockene spanische Landschaft schien diese Vorgangsweise einen eigenen Sinn zu machen, die lange Be-lichtungszeit deckt sich nun mit dem zuviel an Licht und Hitze, das die Vegetation zerstört.
Robo Kocan steht in einer osteuropäischen Tradition, surreale und ironische Momente mischen sich zu einer Kunstlandschaft. Seine Lichtzeichnungen finden vor definierten, sichtbaren Landschaften statt und ergänzen die Vegetation durch in diese Landschaft Gedachtes.
Günther Selichar verschränkt in der Regel bei seinen Fotobil-dern eine gesehene und eine gedachte Ebene. Bei den „Suchbildern“ animiert er den Betrachter zur Recherche, der Rezipient wird zur dritten Dimension.
Fritz Simak bezieht sich auf die Herkunft von Landschaft. Die unspektakulären Kulturlandschaften sind zuordbar durch ihre Bepflanzung, die Anordnung der Felder, durch Wetter und Stimmung. Eine Definition von Heimat, wenn man will, die sich als immer noch geliebte zu erkennen gibt.
Jacques Vilet aus Belgien, wurde von zwei Ländern, zwei Ku-ratoren genannt. Seine Auffassung von Kunst und Landschaft ist durch eine ungewöhnliche Fotorecherche und eine stimmige Verfremdung gekennzeichnet. Er spürt die Originalschauplätze von Bildern die Caspar David Friedrich malte auf, setzt einen Ausschnitt der Erinnerung an diese Kunstlandschaften, kühlt das romantische Dokument aber durch schwarzweiße Aufnahme ab. Die Distanz zum Original vermag ein Näherrücken an die Gegenwart zu transportieren.
Landschaft wird in dieser Zusammenschau zeitgemäß reflektiert ohne besondere Ausflüge in eine virtuelle Welt zu unternehmen und kommt auch ohne vordergründige politische Statements aus. Überrascht davon, daß Landschaft als Bild von Landstrichen so unterschiedliche Annährungen erfährt, entsteht ein großes Ver-trauen in das Bildmedium Fotografie, das offenbar noch viele Resourcen hat.

Jana Wisniewski