Ausstellungen




Stichwort: "Anonyme Portraits"

Leo Kandl, Melanie Manchot, Rabea Eipperle

von 04.10.2005 bis 02.11.2005

Leo Kandl, Melanie Manchot, Rabea Eipperle

"Seeking models + artists for candid portraits for artphoto book 'in the streets' " annonciert Leo Kandl bevor er ein Land, eine neue für ihn fremde Weltstadt betritt. Übers Internet, auf der Straße, in Fitnessclubs oder über regionale Printmedien begeben sich die KünstlerInnen der Ausstellung auf die Suche nach ihren bis dahin anonymen Modellen. Die Absicht eines Portraits ist, das Wesen, die Persönlichkeit des porträitierten Gegenübers zum Ausdruck zu bringen sei es nun eine Person oder eine Stadt. Leo Kandl, Rabea Eipperle und Melanie Manchot haben sich auf unterschiedlichste Weise dem Thema Portrait gewidmet.

Leo Kandl sucht für seine Arbeit Free Portraits verschiedene Weltstädte auf, etabliert sich gleich zu Beginn als Fotograf, in dem er in regionalen Zeitungen eine Annonce schalten lässt, die ihn als Fotografen und Künstler auf der Suche nach Modellen ausweist. Mit der Schaltung einer Annonce und einer fixen Kontaktmöglichkeit entfällt der erste Schritt der Anonymität der eigenen Person in einer fremden Stadt. Der Künstler muss sich nicht erklären, hat seine Position definiert, ist somit Teil des sozialen Systems. Ganz anders hingegen seine auf diese Weise gefundenen Modelle. Sie suchen in der Rolle des anonymen Modells eine Benennung ihres Selbst. "Meine Modelle bestimmen weitgehend wo und wie sie sich vor der Kamera zeigen. Als Gegenleistung für das Risiko, sich auf die Begegnung und das Fotografieren einzulassen überlasse ich ihnen einige Bilder ihrer Wahl."

Rabea Eipperles Fotoserie Mit uns ein Gefühl geht der Frage von Privatheit und Intimität nach, indem sie die Bildproduktion bürgerlich konservativer Beziehungskultur aufgreift. Das Portrait eines Paares inmitten häuslichem Interieur. Rabea Eipperle suchte im Speziellen nach Bodybildern bzw. muskulösen Männern. " Ich sprach sie an und erklärte ihnen, dass ich sie gerne zu Hause besuchen möchte, um mit ihnen ein Photo zu machen, auf dem ich mich als ihre Freundin mit ihnen zusammen als Paar inszenieren möchte." Das Bild des Bodybuilders, des männlich konotierten Prototypen von Kraft und somit Schutz vor der bedrohlichen Welt da draußen gepaart mit der anschmiegsamen Frau. Die Künstlerin zeigt in ihrer Arbeit die bis dato festgeschriebenen Anordnungen hierarchischer Geschlechteranordnung auf, entlarvt den Wahrheitsgehalt von Paar-Portraits und setzt eine interessante Note im Bereich Selbstportrait.

Eine Annäherung an Moskau unternimmt Melanie Manchot mit ihrer Fotoarbeit Groups + Locations (Moscow). Sie begibt sich dafür vorerst in einen Diskurs mit der im späten 19.Jahrhundert gebräuchlichen russischen Dokumentarfotografie, die für ihre "Land - und Leute" Aufnahmen bekannt war. Markante Landschaften oder Denkmäler Russlands wurden als Hintergrund für Gruppenportraits der dort ansässigen Bevölkerung verwendet. Aufgrund der Grösse des Landes, dienten diese Bilder dazu, Russen eine bessere Vorstellung von ihrem eigenen Land und der Vielfalt der Kulturen und Menschen zu geben. Melanie Manchot erweist dieser Tradition Referenz indem sie ebenfalls vor wichtigen Plätzen Moskaus die jeweils zufällig dort anzutreffenden Personen persönlich anspricht, zum Innehalten motiviert und diese als Gruppe einander Unbekannter portraitiert. "Diese einfachen und momentanen 'Performances' tragen zudem politische Bedeutung, da es seit April 2004 ein neues Gesetz in Russland gibt, welches das Recht zu öffentlicher Versammlung stark begrenzt."