Presse

Linda Bournane Engelberth
aus: "Wind, Sand and Stars" work in progress seit 2015, Inkjet-Print, 50 x 50 cm
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Linda Bournane Engelberth
aus: "Wind, Sand and Stars" work in progress seit 2015, Inkjet-Print, 50 x 50 cm
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ROLAND ICKING
aus: "FACadE", work in progress seit 2014, Fine Art-Print, 60 x 84 cm
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ROLAND ICKING
aus: "FACadE", work in progress seit 2014, Fine Art-Print, 60 x 84 cm
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SIMON LEHNER
aus: "Men don’t play / Men do play", 2015–2018 C-Print, diverse Formate
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SIMON LEHNER
aus: "Men don’t play / Men do play", 2015–2018 C-Print, diverse Formate
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AMINA HANDKE
Still aus: "Mutter von Mutter", 2015, HD-Video, Farbe, Ton, 20:00 min.
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AMINA HANDKE
Still aus: "Mutter von Mutter", 2015, HD-Video, Farbe, Ton, 20:00 min.
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CHRISTIANE PESCHEK
aus: "The Fear Theories", 2016, UV-Drucke, Direktdrucke auf Stoff, Videoinstallation, Geruch, Metall, Glas
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CHRISTIANE PESCHEK
aus: "The Fear Theories", 2016, UV-Drucke, Direktdrucke auf Stoff, Videoinstallation, Geruch, Metall, Glas
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ANNA VASOF
Still aus: "Trilogy of Leaving", 2016, Full HD-Video, Farbe, Ton, 04:00 min.
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ANNA VASOF
Still aus: "Down to Earth", 2014, Full HD-Video, Farbe, Ton, 04:00 min.
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Ausstellungsansicht Fotogalerie Wien
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ROLAND ICKING
Ausstellungsansicht Fotogalerie Wien
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Ausstellungsansicht Fotogalerie Wien
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LINDA BOURNANE ENGELBERTH
Ausstellungsansicht Fotogalerie Wien
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Ausstellungsansicht Fotogalerie Wien
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SIMON LEHNER
Ausstellungsansicht Fotogalerie Wien
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ANNA VASOF

LINDA BOURNANE ENGELBERTH
Ausstellungsansicht Fotogalerie Wien
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CHRISTIANE PESCHEK
Ausstellungsansicht Fotogalerie Wien
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CHRISTIANE PESCHEK
Ausstellungsansicht Fotogalerie Wien
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Ausstellungsansicht Fotogalerie Wien
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AMINA HANDKE
Ausstellungsansicht Fotogalerie Wien Kino
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HUMAN

01.04.2018

LINDA BOURNANE ENGELBERTH (NO), AMINA HANDKE (DE/AT), ROLAND ICKING (DE/AT) SIMON LEHNER (AT), CHRISTIANE PESCHEK (AT), ANNA VASOF (GR/AT)

Eröffnung: Montag, 23. April, 19.00 Uhr
Einführende Worte: Petra Noll-Hammerstiel
Ausstellungsdauer: 24. April – 26. Mai 2018

sponsored by: BKA Österreich; MA7-Kultur; Cyberlab
Dank an: sixpack film

Die in der Ausstellung Human vertretenen KünstlerInnen interessiert die Beobachtung und Analyse des Subjekts, der ihm zugehörigen Gemeinschaft sowie der übergeordneten Gesellschaftskonstruktionen. Es geht um die Auseinandersetzung mit Identität bzw. Persönlichkeitsstruktur, sei es in Bezug auf ethnische und geografische Zugehörigkeit, Klasse, Kultur, Geschichte oder vorgegebene Rollenbilder. Ausgangspunkt ist einerseits die Gesellschaft und die Auswirkungen von deren Einfluss auf Leben und Persönlichkeit der Menschen. Andererseits sind es die individuellen Biografien der KünstlerInnen, die mit meist empathischem Zugang ihr direktes Umfeld untersuchen und dabei ebenso die eigenen Ängste, Verletztheiten und Verunsicherungen wie auch Nähe und Glück ansprechen. Hier werden teils intime Blicke in Privatheit, persönliche Geschichte, Erinnerungs-/Gedächtnisarbeit und Lebenssituation gestattet. Andere KünstlerInnen bieten mit humorvoll-skurrilen Narrationen sowie performativen Inszenierungen oder Rollenspielen zwischen Authentizität und Fiktion außergewöhnliche Sichtweisen auf die Realität, die die Absurdität des Alltäglichen und damit des menschlichen Seins unterstreicht.

Linda Bournane Engelberths Serie Wind, Sand and Stars ist ein fotografisches Work in Progress-Projekt, in dem die Künstlerin nach ihren familiären Wurzeln sucht. Sie ist in Norwegen bei ihrer norwegischen Mutter aufgewachsen; ihren algerischen Vater und dessen Familie hatte sie lange nicht  kennengelernt. Erst als Erwachsene besuchte sie ihn und ihre weitere Familie zum ersten Mal in Algerien. Als ihre Berber-Großmutter 100 Jahre alt wurde, schrieb diese ihr einen Brief mit der Bitte, das Heimatland ihres Vaters nicht zu vergessen. Dieses Projekt ist für Bournane ein Versuch, als westlich orientierte Frau ihrer Identität nachzuspüren, indem sie versucht, diese Fremdheit zu erforschen, die die Hälfte ihrer Herkunft ausmacht. Als Fremde mit dem Gefühl außerhalb zu stehen, ist sie durch die Straßen von Algier gegangen und hat sich bemüht, Anschluss zu finden. Sie hat alles – von der Stadt bis zum Leben ihrer Familie – dokumentiert. Jedes Detail von Algier hat sie interessiert: Verkehrsschilder auf Arabisch, ein durch einen Zaun wachsender Kaktus, die Leute in den Straßen – die ersten Schritte in eine Kultur, die sich wie ihr zugehörig anfühlt, aber noch fremd ist.

Amina Handke zeigt den Kurzfilm Mutter von Mutter (2015); hierfür hat sie ihre Mutter, eine Schauspielerin, gebeten, deren Mutter – Amina Handkes Großmutter, die sie kaum kannte – zu spielen. Aber die Mutter erinnert sich an wenig. Der Film handelt von bruchstückhaften Erinnerungen und brüchigen Beziehungen dreier Generationen, die von Abwesenheiten und Trennungen bestimmt sind. Er lässt die Auswirkungen eines Krieges erahnen – diejenigen von Ideologien und Konventionen auf Vorstellungen von Frauen- und Mutterrollen und davon, wie diese Vorstellungen weitergegeben oder reflektiert werden. Desweiteren zeigt Handke die Serie von 22 Fotografien "اداباي [aˑdaˑbˆæɛ]“ als Fotobuch (2017). Für dieses Projekt hat sie, verschleiert mit Niqab, Faschingsfeiern in Griffen (Kärnten), dem Heimatort ihres Vaters, besucht. Zwischen den ebenso verhüllten Faschingsnarren thematisiert sie Zusammenhänge zwischen Kleiderverordnungen und Konventionen, Anpassung und Rollenbildern, dem Vertrauten und Fremden, insbesondere am eigenen „kulturellen Hintergrund“.

Roland Ickings Work in Progress-Fotoserie FACadE, begonnen 2014, zeigt Menschen und ihre Tiere auf Bauernhöfen in seiner Heimat, dem deutsch-niederländischen Grenzgebiet des Kreises Borken und dem Achterhoek. In den hier typischen Kuhstallfassaden sieht Icking seit seiner Kindheit abstrakte Gesichter, deren Ausdruck für ihn das ehemals harte und von gesellschaftlichen Zwängen geprägte Landleben symbolisiert, dem er das Glück hatte zu entkommen, um Künstler sein zu können. Zunächst  als architekturfotografisches Projekt angelegt, begann er bald Menschen und Tiere miteinzubeziehen. Diese wurden separat fotografiert und im Computer vor der jeweiligen Fassade mit dem Gesicht zusammengefügt. Die Inszenierungen wirken surreal, manchmal absurd, auch lassen sich erste Kinderbilder mit Mama, Papa, Kind, Hund, Haus, Baum, etc. assoziieren  – eine Hommage an seine Heimat, in der Humor, aber auch die Sorge um Veränderungen in der Landwirtschaft, das schleichende Verschwinden regionaltypischer Architektur und die Existenz der Menschen mitschwingen.

In seiner Fotoserie Men don’t play / Men do play geht es Simon Lehner um eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit männlicher Identität. Am Beispiel von Männern, die in ihrer Freizeit Krieg spielen, untersucht Lehner das ureigenste, seit Beginn der Menschheit bestehende Bedürfnis des Mannes, in Wettstreit mit seinen Artgenossen zu treten, um dabei möglichst als Stärkster, Männlichster hervorzugehen. In einem Real Life-Kampfspiel mit Druckluftwaffen und künstlichen Toten, aber mit realen Taktiken, Uniformen, Ausrüstung und authentischer militärischer Sprache sind die Freizeit-Soldaten die Helden, stark, mächtig, furchtlos – good guys, die die Terroristen bekämpfen. Und dennoch ist unter der Oberfläche des harten Agierens Verletzlichkeit, Erschöpfung, Angst zu spüren. In der Serie wird das hier so extrem ausgelebte Bedürfnis untersucht und in Frage gestellt, wobei Lehner mittels Selbstporträts seine Gefühle und Konfrontationen dazu dokumentiert – auf der Suche nach seiner eigenen inneren Balance von Männlichkeit und Weiblichkeit.

Die Fotoserie The Fear Theories von Christiane Peschek ist ein Portrait kindlicher Angst, eine neun Jahre andauernde Annäherung, die darauf zielt, die Mechanismen und Stigmata der Angst ihres heranwachsenden Sohnes vor der eigenen Existenz zu verstehen. Es ist ein Labyrinth der Irrationalität und noch mehr eine Reflexion über den Effekt, den die Fotografie auf unsere Wahrnehmung hat. Es ist das Potenzial der Imagination. Ihre Arbeit ist Forschung und Praxis, Erinnerung und Konstruktion – eine ständige Aneignung, ein nie endender Prozess. Ausgehend von der Notwendigkeit, die Ängste eines kleinen Jungen zu verstehen, eröffnete ihr The Fear Theories  einen viel breiteren Diskurs über die Angst vor der eigenen Vergänglichkeit und die Suche nach Schutz. Der Moment vor dem Einschlafen, wenn ein Kind gegen sein Gedankenkonglomerat ankämpft, ist eine Hyperrealität, eine Zwischenwelt zwischen visuellen Nachwirkungen und der puren Kraft kindlicher Vorstellungskraft – eine Welt, die so real ist wie die Fotografie.

Für ihre Performance-Videos baut Anna Vasof auf erfindungsreiche und aufwändige Weise alltägliche Dinge in mechanische Konstruktionen um und schafft humorvolle, poetische, aber auch kafkaeske Situationen. Vasof interessiert das Experimentieren mit den Mechanismen von Bewegung und zeitbasierter Kunst. Ihre Non-Stop-Stop-Motion-Filme (wie etwa Trilogy of Leaving) definieren ein erweitertes zeitgenössisches Kino neu und setzen sich mit der poetischen Mechanik der Beharrlichkeit des Sehens auseinander. Ihre Arbeiten mit Alltagsgegenständen (wie Down to Earth und Things and Wonders 2022) beschäftigen sich mit sozialen Widersprüchen und zeigen uns die vertraute Welt aus einem anderen Blickwinkel.

Petra Noll-Hammerstiel

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VORSCHAU

COLLAGE IV – Shadow Cube
Klaus Pamminger (AT) und Claudia Larcher (AT)

Eröffnung: 11. Juni 2018, 19.00 Uhr
Einleitende Worte: Katharina Manojlović
Ausstellungsdauer: 12.6.–14.7.2018

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LINDA BOURNANE ENGELBERTH (NO), AMINA HANDKE (DE/AT), ROLAND ICKING (DE/AT), SIMON LEHNER (AT), CHRISTIANE PESCHEK (AT), ANNA VASOF (GR/AT)

Opening: Monday, 23 April at 7 p.m
Introduction: Petra Noll-Hammerstiel
Duration: 24 April – 26 May 2018

sponsored by: BKA Österreich; MA7-Kultur; Cyberlab
thanks sto: sixpack film

The artists represented in the Human exhibition are interested in observing and analysing the subject, its associated community and superordinate social constructions. The concern is an engagement with identity or personality structure whether in connection with ethnic and geographical affiliation, class, culture, history or prescribed role images. On the one hand, the point of departure is society and its effects and influences on the lives and personalities of its members. On the other, there are the artists with their individual biographies who examine their direct surroundings, usually with an empathetic approach and in the process also address their own fears, vulnerabilities and insecurities as well as the need for closeness and happiness. At times intimate glimpses into private aspects of life, personal histories, memorial work memory/reminiscence and life situations are made possible. Other artists offer unusual ways of seeing reality through humorous or bizarre narratives as well as staged performances or role games that are situated between authenticity and fiction. These underline the absurdity of everyday life and thus of human existence.

Linda Bournane Engelberth’s series, Wind, Sand and Stars, is a photographic work-in-progress project in which the artist searches for her own family roots. She grew up in Norway with her Norwegian mother and did not get to know her Algerian father or his family for a long time. It was only as an adult that she first visited him and her wider family in Algeria. When her Berber grandmother celebrated her 100th birthday, she wrote her a letter asking her not to forget her father’s homeland. For Bournane Engelberth this project is an attempt as a Western-oriented woman to trace her identity by examining the foreignness that comprises half of her bloodline. While trying to find connections she walked through the streets of Algiers as a foreigner with the feeling of being an outsider. She documented everything – from the city to the lives of her relatives. She was interested in every detail of Algiers: traffic signs in Arabic, a cactus growing through a fence, the people in the streets – her first steps in a culture to which she feels drawn, as her own, but in which she still remains a foreigner.

Amina Handke is showing the short film, Mutter von Mutter [Mother from Mother] (2015). For the work she asked her mother, an actor, to play her own mother – Amina Handke’s grandmother whom she rarely knew . But her mother actually remembers very little. The film deals with the fragmentary memories and brittle relationships of three generations that have been defined by absences and separations. It imparts a sense of the effects of war – those of ideologies and conventions regarding the preconceived roles of women and mothers and how these preconceptions are passed or reflected on. Supplementary to this Handke is showing a series of 22 photos, اداباي [aˑdaˑbˆæɛ] as a photo book (2017). For this project she went to a carnival event in Griffen (Carinthia) – her father’s home town – veiled in a niqab. In among the equally disguised carnival fools she points up the issues around the linkages between sartorial rules and conventions, adaptation and role models, the foreign and the familiar – especially in one’s own ‘cultural background’.

Roland Icking’s work-in-progress photo series, FACadE, initiated in 2014, shows people and their animals on farms in his home region, the German-Netherlands border area around Borken and the Achterhoek. Since his childhood Icking has seen abstract faces in the typical cow stall facades of the area. For him their expression symbolises the former country life – hard and determined by coercive social norms – which he was lucky to escape in order to become an artist. Initially the project was conceived of as architectural photography but he soon began to incorporate people and animals. These were separately photographed and brought together in the computer in front of  the corresponding facades with a face. The stagings have a surreal effect, sometimes they are absurd but they also allow associations with children´s first drawings showing mum, dad, child, dog, house, tree, etc. It’s a homage to his home region resonating of humour but also of concerns about the changes in farming, the gradual disappearance of types of regional architecture and the livelihood of those who live there.

In his photo series, Men don’t play / Men do play, Simon Lehner is concerned with a very personal involvement with male identity. Taking the example of men who play war games in their free time Lehner examines men’s fundamental need that has existed since the beginning of human history to compete with their fellow species so as to prove who is the strongest and most masculine. In a real life combat game with compressed air weapons and artificial corpses but with real tactics, uniforms, armaments and authentic military language, these leisure-time soldiers are heroes, strong, powerful, fearless – good guys who fight the terrorists. Nevertheless, under the surface of the hard action one can feel vulnerability, exhaustion and fear. In this series the extreme living out of such needs is examined and questioned and in the process Lehner also documents his own feelings and confrontations in the form of self-portraits – in search of his own inner balance between masculinity and femininity.

The photo series, The Fear Theories, by Christiane Peschek is a portrait of childish fear, a nine-year-long attempt to understand the mechanisms and stigmata of the fears her growing son has of his own existence. It is a labyrinth of irrationality but even more it is a reflection on the effect that photography has on our perception. It is the inherent potential of the imagination. Her work is research and practice, recollection and construction – a continuous appropriation, a never-ending process. Starting out from the necessity of understanding the fears of a small boy, The Fear Theories opens up a much wider discourse about the fear of one’s own mortality and the search for protection (safety). The instant before falling asleep, when a child struggles against a conglomeration of thoughts, is a hyper-reality, an interstitial world between visual after-images and the pure power of of a child´s imagination – a world that is as real as photography.

For her performance videos Anna Vasof builds everyday objects into mechanical constructions that are both inventive and time consuming, thus generating humorous, poetic but also Kafkaesque situations. Vasof is interested in experimenting with the mechanisms of movement and time-based art. Her Non-Stop-Stop-Motion-Films such as the Trilogy of Leaving redefine an expanded contemporary cinema and engage in the poetic mechanics of the persistence of vision. Her works with everyday objects such as Down to Earth and Things and Wonders 2022 are concerned with social contradictions and show the familiar world from a different point of view.

Petra Noll-Hammerstiel

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PREVIEW

COLLAGE IV – Shadow Cube
Klaus Pamminger (AT) and Claudia Larcher (AT) –

Opening: 11 June 2018 at 7 p.m.
Introduction: Katharina Manojlović
Duration: 12 June – 14 July 2018

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