Kataloge

TECHNIK & METHODE Künstlerische Prozesse der Bildfindung
Fotobuch Nr. 47

 

Als Jahresschwerpunkt 2011 hat das kuratorische Team der Fotogalerie Wien in Zusammenarbeit mit dem Fotokünstler Thomas Freiler das Thema „Technik & Methode – künstlerische Prozesse der Bildfindung“ gewählt. Durch die Beobachtung der aktuellen Kunstszene und anhand der gesichteten künstlerischen Arbeiten wurde eine Vielzahl von KünstlerInnen entdeckt, die sich heute – im Zeitalter der Digitalisierung – wieder vermehrt und sehr experimentell mit alten fotografischen und filmischen Verfahren auseinander setzen sowie eigene Apparaturen konstruieren.

Diese Zugangsweise von KünstlerInnen, die sich auch häufig als ForscherInnen und ErfinderInnen verstehen, führte zu spannenden, neuartigen und ungewöhnlichen Bildergebnissen. Das Thema wurde in drei Gruppenausstellungen mit Arbeiten aus den Bereichen Fotografie, Video, Objekt und Installation umgesetzt. Bei den insgesamt 16 beteiligten KünstlerInnen handelt es sich sowohl um jüngere als auch um etabliertere Positionen, die sich bereits langjährig mit der Thematik befassen.

Die Ausstellungstrilogie war unterteilt in die Subthemen Apparative Konstruktionen, wo außergewöhnliche, zum Teil raumgreifende Maschinen der Bilderzeugung präsentiert wurden, Mediale Untersuchungen, wo dezidiert der Fokus auf die Untersuchung des Mediums Fotografie und anderer Abbildverfahren gelegt wurde, sowie Räumliche Übersetzungen, wo der Aspekt des Dreidimensionalen in der Fotografie diskutiert wurde.

Unser herzlicher Dank gilt dem Fotokünstler und -theoretiker Thomas Freiler. Er war nicht nur maßgeblich an der Kuratierung und KünstlerInnenauswahl beteiligt, sondern zeichnet auch verantwortlich für die theoretische Basis zu diesem Schwerpunkt. Er hat die Texte zu unseren BILDERMagazinen sowie zu diesem Katalog beigesteuert und bei den Eröffnungen die einleitenden Worte gesprochen. Seine Texte in diesem Katalog umfassen nicht nur eine fundierte, übergreifende Darstellung der Thematik, sondern auch Erläuterungen zu jedem Spezialgebiet und zu den künstlerischen Arbeiten. Zusätzlich bietet der in Deutsch und Englisch vorliegende Katalog den KünstlerInnen viel Raum für Statements und Abbildungen ihrer Werke.

Wir wünschen allen LeserInnen viel Freude mit der hier vorliegenden Publikation zum Jahresschwerpunkt 2011 der FOTOGALERIE WIEN.


FOTOBUCH NR. 47/2011 – FOTOGALERIE WIEN

Katalogtext: Thomas Freiler
Bild- und Textbeiträge der KünstlerInnen: Beatrix Bakondy, Philipp Fleischmann, Thomas Freiler, Clemens Fürtler, Ilse Haider, Frauke Hänke, Claus Kienle, Edgar Lissel, Michaela Moscouw, Martin Reinhart, Stephan Reusse, Michael Schuster, Gebhard Sengmüller und Konrad Strutz
 
Format: 22 x 19 cm, 118 Seiten, davon 92 Bildseiten in Farbe und S/W, Deutsch/Englisch
Preis: € 19,- / Preis zuzüglich Versandkosten


Herausgeber: Fotogalerie Wien,
ISBN 978-3-902725-32-5

Preis: EUR 19,00 › Bestellen

WERKSCHAU XVI - HANS KUPELWIESER
Arbeiten 1981 – 2011
Autoren: Ruth Horak

Katalog Werkschau Nr. 46

Text: Ruth Horak

A4, 40 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, dt./engl.

Fotogramme haben eine andere Beziehung zur Realität

Das Fotogramm ist die indexikalischste Form der Fotografie. Es weist die größte Nähe zum Original auf, das es tatsächlich berührt hat, und gleichzeitig die größte Distanz, weil es dessen Aussehen nicht in der gewohnten Weise vermittelt. Es sind andere Kriterien als die Wiedererkennbarkeit, die die Beziehung dieses direkten Abdrucks zur Realität bestimmen. Aber auch die ursprüngliche Definition von Fotografie reiht das Aufzeichnungsverfahren mittels lichtempfindlicher bzw. fixierender Substanzen vor die Verwendung eines Apparates, und das Wort „Fotografie“, ähnlich wie „Telefon“ oder „Computer“, beschreibt den Prozess und ist nicht der Name eines Gegenstandes.

Bei Hans Kupelwieser, unten dessen Händen seit den frühen 1980er-Jahren hunderte Fotogramme entstanden sind – Serien auf 40 x 50 cm großen Blättern, aber von Anfang an auch große Formate (120 x 180 cm ) – ist der Herstellungsprozess ein wesentlicher Teil des Bildes. Die Fotopapiere werden wie Arbeitsplatten benützt: Am Belichtungstisch liegend oder am Boden ausgerollt, schüttet, legt oder stellt Kupelwieser auf ihnen Dinge aus, die dem Menschen nahe stehen – Erdäpfel, Spaghetti, Melanzani, Plastiksäcke, Kabel oder Möbel. Fast immer ist es ein waagrechtes Tun, ein von der Schwerkraft getragenes, vom Druck, von Größe, Volumen und Materialdichte abhängiges Kontaktporträt, das dem Betrachter dann jedoch vertikal entgegentritt, 90° von der ursprünglichen Orientierung entfernt, aufrecht, wie sein Gegenüber1. Was zuerst auf dem Papier liegt und steht, ist letzten Endes mit diesem verschmolzen. So werden Dinge mit einer ausgeprägten Körperlichkeit – wie Tische und Sessel – von ihren schräg übers Papier fallenden Schatten genauso in die Fläche gestürzt und dort fixiert wie Papierstreifen, Gummibänder oder Kabel.

Alternierende Verfahren, die einmal dem Gegenstand, einmal dem Abbilden den Vorrang geben – Kupelwieser lässt etwa den Schatten eines Aluminiumsessels wieder in Aluminium gießen – verorten seine fotografischen Arbeiten in einem transmedialen Bereich, in dem die Dinge verschiedene Arten der Repräsentation durchwandern, oder auch verschiedene Weisen des Abdrucks, einmal in der lichtempfindlichen Schicht, ein anderes Mal in erhitztem Plexiglas, erfahren. Die Verzahnung von Gegenstand und Abbild, die Variationsbreite der Abbilder und die Wandelbarkeit der Fotogramme machen den Bildhauer Hans Kupelwieser als untrennbares Alter Ego spürbar und die Ausstellung mit einem für die Galerie produzierten 3 x 10 m langen Fotogramm, frühen konzeptuellen Arbeiten, raumgreifenden Fotogrammen und Collagen, und nicht zuletzt den Objekten selbst, zu einem formenreichen installativen Setting.

Ruth Horak


Herausgeber: Fotogalerie Wien,
Format: A4,
ISBN: 978-3-902725-31-8

Preis: EUR 11,00 › Bestellen